Mit Homeoffice das Klima schützen

Dieser Moment, wenn Du merkst, dass Du gerade versuchst, mit Deinem Einkaufswagen-Chip die Bürotür aufzuschließen ....

So viel Herumfahrerei, nur, damit man an einem anderen Ort die Arbeit macht, die man am Arbeitsplatz zuhause genauso gut erledigen kann, empfinde ich zunehmend als absurde Idee. Letzte Woche war ich zum ersten Mal seit Monaten mal wieder im Büro an der Uni in Mainz.

So schön es auch ist, die netten Kolleginnen und Kollegen mal wieder in echt zu treffen, zur Arbeit zu Pendeln ist doch im Grunde eine unglaubliche Menge an verschwendeter Lebenszeit

Lebenszeit, CO2, Energie und Geld

Mein Zug fährt 20 oder 30 Minuten, je nachdem, welchen ich erwische. (So cool und durchtrainiert, dass ich mit dem E-Bike oder gar einem einfachen Fahrrad nach Mainz und zurück radeln könnte, bin ich leider nicht. Einen befreundeten Bingerbrück-Mainz-E-Bike-Pendler bewundere ich zutiefst.) Vom Bahnhof nach Hause oder zur Uni laufe ich jeweils noch 10 bzw. 20 Minuten. Das wären täglich eine gute Stunde bis über anderthalb Stunden Pendelei! Nicht ohne Grund habe ich schon vor Corona so viel wie möglich im Homeoffice gearbeitet.

Bei schönem Wetter wartet sich’s immerhin netter auf den verspäteten Zug.

Und trotzdem: Was war diese Zeit des erzwungenen Homeoffice auch für mich noch für ein Augenöffner. Wie viel Lebenszeit, wie viel CO2, wie viel Energie, wie viel Geld ging früher dafür drauf, durch die Gegend zu fahren, nur um dann an einem anderen Ort das zu machen, was man zu Hause im Homeoffice genauso gut machen konnte.

Ein Recht auf Homeoffice?

Das gilt natürlich nicht in jedem Fall, aber für die Jobs, für die es gilt, und für die Leute, die zu Hause gut arbeiten können, sollte es das Normalste der Welt sein, ein Recht darauf zu haben, ihre Arbeit flexibel an dem Ort und zu der Zeit zu erledigen, wie es für sie am besten passt.

Da hätte der Gesetzgeber auch nach Corona so einiges „von oben“ regeln können. Nicht nur im Sinne der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, sondern auch im Sinne des Klimaschutzes. Bei Arbeitgebern oder Betriebsräten scheint das Thema leider nur mit Glück entsprechend gehandhabt zu werden.

Eine kleine Beispielrechnung*:

Durchschnittliche Pro-Kopf-CO2e-Emissionen pro Stunde Video-Streaming (vermutlich ähnlich bei Arbeitsanwendungen wie Online-Konferenzen oder Video-Telefonie): ~ 55 g

Durchschnittliche CO2e-Emissionen, wenn man physisch von Bingen nach Mainz und wieder zurück fährt (ca. 30 km einfache Strecke):

Mit einem PKW je nach Fahrzeug und Fahrweise ~ 10 kg.
Mit dem Zug immer noch knapp 4 kg.

So viel CO2e wie durch eine Autofahrt nach Mainz und zurück fallen zum Beispiel auch an, um 30 Bratwürste aus Schweinefleisch herzustellen. (Dieses Beispiel soll die Relation verdeutlichen und natürlich nicht dazu auffordern, die durchs Homeoffice eingesparten Treibhausgase bei einer Grillparty zu „verbraten“.)

Zeit sparen und das Klima schützen

Manchmal lassen sich wohl doch mehrere Ziele auf einmal verfolgen. 😉

Wie ist das bei Euch? Könnt ihr Eure Arbeit gut von zuhause aus machen, zum Beispiel dank vernünftiger Digitalisierung, oder geht das in Eurem Job oder in Eurer Lebenssituation überhaupt nicht?

Bei uns war zum Beispiel das Arbeiten zuhause und die gleichzeitigen Schulschließungen während der härtesten Lockdowns eine enorme Herausforderung.


*Quellen der Berechnung:

Emissionen von Verkehrsmitteln: https://www.vcd.org/artikel/verkehrsmittel-im-vergleich (Zugriff am 20.12.2021)
Emissionen von Videostreaming (EU-Durchschnitt): Carbon Trust (2021) „Carbon Impact of video streaming“
Emissionen von Lebensmitteln: https://www.nu3.de/blogs/nutrition/co2-fussabdruck-lebensmittel#co2-fussabdruck-lebensmittel-03 (Zugriff am 12.10.2021)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.